Rautenstrauch-Joest-Museum Köln

Lernerfahrungen

Die erste große Lernerfahrung ist, dass diversitätsorientierte Öffnungsprozesse langfristig und situiert angelegt werden müssen. Das heißt, dass es nicht den „einen“ Werkzeugkasten gibt, der für sämtliche Einrichtungen gilt, sondern dass Diversitäts-Strategien entlang der spezifischen Historie und Politik des Hauses entwickelt werden müssen. Dabei sind der Kontext und das System, in die die Institution eingelassen ist (die Kommune, die Stadtgesellschaft, spartenspezifische Bedingungen), ebenso wichtig wie die interne Organisationsform. Da Diversity kein Thema ist, sondern eine Perspektive und Querschnittaufgabe, fällt Diversity zuweilen mit dem größeren Feld der Organisationsentwicklung zusammen. Zu den Aufgaben in den Bereichen Programm, Personal und Publikum kommen folglich übergeordnete strukturelle Fragen hinzu. Darüber hinaus ist eine Netzwerkarbeit und die intensive Kontaktpflege mit Partner*innen, sowohl im institutionellen als auch im nicht-institutionellen Bereich, notwendig. Hier gilt es im Sinne eines Gleichgewichts der Geschichte, die postmigrantische und postkoloniale Gesellschaft (der Vielen) zu adressieren, da marginalisierte Gruppen und Akteur*innen in institutionalisierten Räumen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf das Ansprechen neuer Publika, sondern darauf, jene Akteur*innen, seien sie Fach- oder Alltagsexpert*innen, mit in die Programmatik des Hauses einzubinden und partizipative Formate zu installieren. Damit gehen neue Methoden und Ethiken der kuratorischen und musealen Praxis einher.

 

Worin sind wir besonders gut geworden?

Unsere Stärke ist das Entwickeln von Formaten, die mehrfach im Open Space, der BAUSTELLE angewandt wurden. So z. B. die Erzähl-Cafés, zu denen lokale Akteur*innen & Aktivist*innen aus den migrantischen/diasporischen Communitys eingeladen werden, zu spezifischen Themen im Bereich Migration & Diversität zu erzählen. Dabei geht es ganz im Sinne des Story-Tellings und der Oral History um das Teilen von Alltagsgeschichten aus der Perspektive der Migration. Zudem unterstützen die Diversity-Managerinnen das Team der laufenden Ausstellung „RESIST! Die Kunst des Widerstands“ dabei, ein diskriminierungskritisches Vermittlungs- und Rahmenprogramm zu gestalten. Hier sind wir als Diversity Agentinnen „besonders gut darin geworden“, unterschiedliche Netzwerke von diasporischen/migrantischen Gruppen und weiteren Expert*innen einer postkolonialen musealen Arbeit zusammenzuführen. Ein weiterer Fokus ist die Arbeit an der Haltung und an einer Vermittlungsarbeit, die sich am Konzept der Awareness orientiert. Dies manifestiert sich in einem Awareness-Vermittlungs-Konzept, einem Code of Conduct, im Bereitstellen von Glossaren oder in der Entwicklung von Safer-Space-Formaten, also bspw. „Führungen“ durch die Ausstellung nur für BIPoCs. Insgesamt geht es um einen Perspektivenwechsel im rassismuskritischen Sinne auf allen Ebenen: Programm, Methoden, Strukturen, Haltung.

Kontakt

Aurora Rodonò (Agentin für Diversität), aurora.rodono@stadt-koeln.de

Carla de Andrade Hurst (Agentin für Diversität), carla.deandrade@stadt-koeln.de